Ayurvedische und indische Ernährungsberatung  

Man ist, was man isst….

In Ayurveda besteht die Ansicht, dass «man ist, was man isst». Aus diesem Grund ist eine gute Ernährung von höchster Wichtigkeit. Es hilft nicht nur den Körper gesund und vital zu halten, sondern hat auch einen großen Einfluss auf den Geist.

Gemäß Ayurveda ist ein wirklich gesunder Mensch nur jemand mit einem starken Körper und gesundem Geist. Eine ausgewogene und nahrhafte Ernährung hilft die «drei Doshas» im Gleichgewicht zu halten und unterstützt somit eine gute Gesundheit. 

Ayurveda teilt verschiedene Nahrungsmittel in Arten ein wie z.B. Gemüse, Früchte, Nüsse, Kernen etc. aufgrund ihrer Energien und der Einfluss den sie auf Körper und Geist haben. Dies hilft uns die Lebensmittel auszuwählen, die gut für unsere individuelle Konstitution sind, sowie auch diejenigen Nahrungsmittel, die man vermeiden sollte. Oft in der heutigen hektischen Zeit und unserer modernen Lebensart sind unregelmässige Essgewohnheiten verbunden mit einem übermässigen Konsum von gewissen Lebensmitteln verbreitet. Wir konsumieren oft zuviel von gewissen Lebensmitteln, die uns schaden könnten. Ayurveda empfiehlt deshalb sogenannte «Antidotes» oder ausgleichende Faktoren für solchen Überkonsum.

Diese ausgleichenden Faktoren helfen, die negativen Effekte der Nahrung zu steuern und tragen dazu bei, wieder ein Gleichgewicht in unserem Verdauungssystem herzustellen. Obwohl ausführliche Therapien und komplizierte Medizinformeln für Behandlungen der meisten Krankheiten in der Ayurveda Literatur vorhanden sind, steht die Vorbeugung und Prävention von Krankheiten an erster Stelle, als später zu versuchen, sie anhand der Krankheitsbilder und –symptome zu behandeln. Denn wenn die grundlegenden Richtlinien der persönlichen und Sozialhygiene streng respektiert werden und der Körper somit genügend Widerstandskraft gegen die meisten Krankheiten bildet, kann die Lebensqualität dem zu folgend erhöht werden. Dies kann sogar in unserem heutigen modernen Lebensstil erreicht werden.

Eine gesunde Person wird in den Ayurveda Schriften als Mensch definiert, der nicht nur ausgewogene «Tridoshas» hat, sondern auch gefühlsmässig ausgeglichen und von friedlicher Natur ist.  Der Diät wird einen grossen Stellenwert zugeschrieben, sei es im gesunden oder im kranken Zustand. In der alten indischen Literatur wird gesagt, dass wenn eine korrekte Ernährung eingehalten wird, Medizin nicht erforderlich ist, und wenn der korrekten Ernährung keine Beachtung geschenkt wird, nachher die Medizin nicht mehr nützlich ist.

Die Erhaltung der Gesundheit basiert auf einem einfachen Konzept:

1. Die Art der Nahrung (Prakruti)

Je nachdem ob die Nahrung leicht oder schwer verdaulich ist, wird sie in zwei Kategorien eingeteilt. Zum Beispiel Fleisch ist schwer verdaulich, hingegen Reis und Gemüse sind leicht verdaulich. Dies ist eine grundlegende Qualität jedes erdenklichen Nahrungsmittelrezepts und sollte vor der Zubereitung beachtet werden.

2. Die Zubereitung (Karana)

Im Allgemeinen ist gekochte Nahrung nahrhafter als ungekochte. Jedoch sind gewisse Nahrungsmittel wie Früchte und Salate gesünder, wenn sie roh gegessen werden. Das Kochen mit Mikrowellen ist vom Ayurvedia Gesichtspunkt her nicht empfehlenswert, da es alle wichtigen Nährstoffe zerstört, die in der Nahrung vorhanden sind. Je nachdem wie die Lebensmittel zubereitet werden wie z.B. braten, kochen, backen, grillieren, mixen, trocknen etc. kann die Qualität der Nahrung verändert werden. Sie kann für Verdauung je nachdem leichter oder schwerer werden.

3. Kombinationen (Samyoga)

Kombinationen bestimmter Nahrungsmittelzutaten sind für uns vorteilhaft. In gleicher Weise können einige Kombinationen schädlich sein. Kombinationen von sauren Früchten mit Milch oder Quark kann z.B. schädlich sein und chronische Verdauungsbeschwerden verursachen. Folglich ist es notwendig, die  Kombinationen zu verwenden, die sich gut mischen lassen.

4. Menge (Rashi)

Die Menge der einzelnen Zutaten sowie die Gesamtmenge der Nahrung, die von einer Person gegessen wird,  sollte entsprechend der Nahrungsqualität sowie der Verdauungskapazität entschieden werden.

5. Ort (Desha)

Ayurveda hat Orte in unterschiedliche Arten wie sumpfig, trocken und normal eingestuft. Der Ort sollte in Bezug auf die unterschiedlichen klimatischen Verhältnisse gewählt werden. Wenn die Umgebung geeignet ist, dann wird die Nahrung besser aufgenommen und hat somit positive Auswirkungen auf den Körper und den Geist.

6. Zeit oder Periode (Kala)

Die Nahrung sollte in korrekten Abständen eingenommen werden. Nur wenn die vorherige Mahlzeit richtig verdaut wurde, sollte die nächste Mahlzeit folgen. Die  Art der Nahrungsmittel, die Menge sowie Qualität sollte, abhängig von bestimmten Jahreszeiten angepasst werden. Die Hauptmahlzeit sollte zwischen 11h bis 14h eingenommen werden.

7. Essensregeln (Upayoga Sanstha)

- Nahrung sollte heiss gegessen werden, damit die natürliche Absonderung der verdauungsfördernde Enzyme erhöht werden.

- Mahlzeiten sollten in entspannter, ruhiger und freundlicher Atmosphäre eingenommen werden. Man sollte nicht in nervösem, verärgerten oder besorgten Zustand essen.  

- Zu langsam oder zu schnell essen oder beim Essen sprechen, lachen, überlegen oder Fernsehen ist nicht ratsam.

- Man sollte sich auf das Essen konzentrieren und sich Bewusst machen, dass diese Nahrung den Körper und Geist fördern wird.

- Rauchen oder Trinken von viel Wasser oder sonstiger Flüssigkeit nach dem Essen ist nicht ratsam.

- Es wird empfohlen vor dem Kochen zu duschen und saubere Kleidung zu tragen.

- In Indien ist es Brauch, ein Gast wie ein Gott zu behandeln. Die Mahlzeit sollte zuerst den Gästen und den Kindern serviert werden.

- Das Singen von «Mantras» (Gebetsformeln) und Opfergaben an einem Altar sind immer empfehlenswert.

8. Der Nahrungskonsument (Upabhokta)

Jede Person sollte die oben erwähnten Richtlinien beachten und entsprechend seiner persönlichen Konstitution, seiner Verdauungskapazität, der Jahreszeit, der Tageszeit und nach der kompletten Verdauung der letzten Mahlzeit, essen. In Ayurveda beeinflußt die Nahrung den Geist, indem sie entweder eine Erhöhung oder Abnahme der drei Naturarten d.h. «Satva Guna» (=Modus der Güte), «RajoGuna» (=Modus der Neigung) und des «TamoGuna» (=Modus der Unwissenheit) verursacht. Die Rezepte können als «Satvik» (=Lebensmittel mit leicht süsslichem Geschmack) «Rajasik» (= Lebensmittel mit scharfem, salzigem oder saurem Geschmack) oder «Tamasik» (=ölige, schwer verdauliche Lebensmittel)  eingestuft werden und nach den Auswirkungen entsprechend verwendet werden.

 

Obgleich Diät eine wichtige, heilende Rolle in Ayurveda spielt, gibt es keine massgeschneiderten Richtlinien. Jeder Mensch ist in seiner konstitutionellen Verfassung (prakriti) einzigartig und der Fluss benötigt für sein Gleichgewicht (vikriti); so sind auch die Bedürfnisse des Körpers einzigartig. Man findet keine vorkalkulierte Körpergewichtstabellen je nach Alter und Geschlecht, oder Kalorien zählende Anweisungen in der ayurvedischen Lebensmitteltherapie.

Was man findet sind Empfehlungen, wirklich auf sich selber und die eigene Physiologie zu hören was, wo, wann und wie man essen sollte. Man sollte Zutaten mit unterschiedlichem Geschmack wie süss, sauer, salzig, bitter, scharf in den Mahlzeiten einschließen und die Geschmacksarten bevorzugen, die Ihrem gegenwärtigen Bedarf entspricht und die anderen zu reduzieren. Verschiedene Geschmacksarten in den Mahlzeiten einzuschliessen verringert Essenslust, regelt den Appetit und die Verdauung und wirkt sich positiv auf die körperliche sowie geistige Tätigkeit aus.

Das verdauungsfördernde «Feuer»benötigt Nahrung, um eine konstante Tätigkeit beizubehalten. Jedoch kann ungeeignete, übermäßige, schwere und kalte Nahrung dieses Feuer auslöschen und Ablagerungen im Körper produzieren, die Ama genannt werden. Folglich sollte aufgepasst werden, bevor man irgendwelche Nahrungsmittel einnimmt, dass die Verdauungskapazität nicht überfordert wird. Die ayurvedische Kochensweise ist ein harmonisches  Zusammenbringen frischer und gesunder Zutaten in ein Festmahl für alle Sinne.

In einer gut zubereiteten, ayurvedischen Mahlzeit wird ein Zusammenspiel von verschiedenen Geschmacksrichtungen, Beschaffenheiten, Farben, Aromen und erzeugt, um das Gleichgewicht im Körper, des Geistes, und den Gefühlen wieder herzustellen.

  


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